Firmengeschichte unserer Bürstenerzeugung

Die Wurzeln unseres Familienbetriebes gehen auf das Jahr 1948 zurück.

1. Generation: Georg Lehner SENior (1920-1994)

Georg Lehner besucht die Volksschule in Mattersburg und geht beim Bürstenbinder Georg Kirschberger, dem Großvater von Franz Forstik, in die Lehre. Nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg will er zur Polizei gehen, aber seine Mutter meint, es wäre genug mit dem Schießen. Da für das Gewerbe der Bürstenbinderei Gebietsschutz besteht, weicht er 1948 mit der Gründung einer Bürstenbinderei nach Neusiedl am See aus. In Mattersburg gibt es schon mehrere Bürstenbinder wie Koller und Beranek. Erst 1951 ergibt sich die Gelegenheit, in Mattersburg eine Bürstenbinderei zu eröffnen.

Die Familie kauft 1946 das Geschäftshaus in der Bahnstraße 4. Vorerst wird im 2. Stock eine Werkstatt eingerichtet. 1965 baut er das Wohnhaus seiner Eltern, Pielgasse 14, aus und bestückt erstmals die Werkstätte mit mechanischen Maschinen.

Das Verkaufslokal in der Bahnstraße bleibt bestehen. Seine Frau Hedwig betreibt zeitgleich in diesem Lokal ein Sport- und Spielgeschäft. Das Angebot in der Bürstenbinderei umfasst rund 40 Artikel wie Besen, Weißwedel (die Häuser werden für den Umzug an Fronleichnam mit weißem Kalk gestrichen), Flaschenbürsten, Bartwische. Die wichtigste Absatzform ist „auf Tour fahren“. Im Beiwagen des Motorrades werden die Produkte eingeräumt und die verschiedenen Greißler beliefert. In der Produktion arbeiten zwei Mitarbeiter.

Familie Lehner um 1936 (von links): Georg Lehner, Mitzi, Grete, Anna, Frau Lehner, Georg

2. Generation: Georg Lehner JUNIOR (1953)

Georg Lehner absolviert die Schule in Mattersburg und erlernt den Lehrberuf des Bürstenbinders im väterlichen Betrieb. Die Zusammenarbeit mit seinem Vater ist aber schwierig, da der Vater die Bürstenbinderei nicht mit vollem Einsatz betreibt. Vom Einkommen des Unternehmens kann er nicht leben.

Seine Schwester Hedwig geht im Sport- und Spielwarengeschäft ihrer Mutter in die Lehre.

Nach der Lehre wechselt Georg Lehner zur Bürstenbinderei Eckhard in 1070 Wien, Siebensterngasse. 1971 rückt er zum Militärdienst ein und verlängert seine Dienstzeit danach noch um ein Jahr.

Messebesuch in Salzburg 1981

Da sein Vater in Pension geht, übernimmt Georg Lehner 1980 den Betrieb seines Vaters. Gleichzeitig beginnt er mit dem „Marktfahren“. Seine Frau Margarete eröffnet zusätzlich einen Handelsbetrieb für Korbwaren in der Bahnstraße 7. 1991 schließt sie das Geschäft, da die Konkurrenz aus dem Osten zu groß wird.

Georg Lehner führt den Betrieb der Bürstenbinderei weiter und baut ihn aus. Das Produktsortiment wird erweitert und umfasst bald 4000 verschiedene Bürsten, Walzen und Besen. Auch viele technische Bürsten werden erzeugt. Mit 2 bis 3 Mitarbeitern wird die Bürstenbinderei betrieben.

Georg Lehner bei der Sonderanfertigung einer Walzenbürste

Die Situation in den 1980er Jahre ist günstig. Es gibt nur wenige Bürstenerzeuger in Österreich. In dieser Zeit spezialisiert sich das Unternehmen auf die Beborstung von Autowaschanlagen. Durch den EU-Beitritt kommen Großproduzenten auf den Markt und wieder muss die Marktstrategie geändert werden. Nischenprodukte werden vermehrt produziert.

Georg Lehner wird eine Stelle als Werkstättenleiter beim Österreichischen Blindenverband angeboten. 1997 wird er Werkstättenleiter und von 2000 bis 2003 Geschäftsführer beim Blindenverband.

Im Jahr 2000 übergibt den Betrieb an seine Tochter Melanie. 2003 verstirbt seine Ehefrau nach langer Krankheit. Er kehrt wieder zu seiner Tochter in den Betrieb zurück und arbeitet dort bis zu seiner Pensionierung.

3. Generation: Melanie Eckhardt (1975)

Melanie Eckhardt wird 1975 in Mattersburg geboren. Sie besucht dort vier Jahre die Volksschule und vier Jahre das Realgymnasium. Danach geht sie ein Jahr in das BORG Wr. Neustadt. Sie verlässt dann die Schule und lernt den Beruf Großhandelskauffrau im 22. Bezirk in Wien.

Da sie im väterlichen Handwerksbetrieb aufgewachsen ist und sämtliche Handgriffe der Bürstenbinderei beherrscht, übernimmt sie im Jahr 2000 den väterlichen Betrieb ohne zu zögern. 

Melanie Eckhardt in der Bürstenwerkstatt

Ihr Mann Gerald arbeitet in der Herstellung der Produkte. Er stammt aus Pöttsching und ist gelernter Installateur. Der Betrieb wird bewusst als Familienbetrieb geführt.

Das Unternehmen ist bei der Übernahme in einer finanziell angespannten Situation, da der ertragreiche Markt der Autowaschanlagenbürsten zusammengebrochen ist. Das Produktionssortiment wird erneuert. Qualitätsprodukte, die es in der Massenproduktion nicht mehr gibt, werden vermehrt hergestellt. 

Gemeint damit sind Nischenprodukte wie z.B. Körperbürsten, Massagebürsten, Zahnbürsten, Rückenkratzbürsten, Espressopinsel und handgemachte Kleiderbürsten. Innovativ ist die vegane Produktschiene, zu der Holzzahnbürsten mit Maisborsten zählen. Für Großaufträge, welche für den Familienbetrieb noch machbar sind, werden spezielle Maschinen angeschafft.

In Österreich finden sich heute noch 10-12 Bürstenbinder. Sie produzieren aber vor allem für den Massenmarkt. Handwerk bedeutet regionalen Bezug der Produkte. Regionale Rohstoffe sind aber kaum mehr vorhanden. So erzeugt in ganz Österreich nur ein Betrieb Bürstenhölzer aus Buchenholz. Durch den EU Beitritt wird der Rohmaterialeinkauf erleichtert. Die Materialien werden vor allem im Großhandel in Deutschland besorgt. Kleinmengen werden bei den Tischlern in der Region gekauft.

Im Marketing wird auf die neuen Medien gesetzt wie Facebook, Onlineshop, Mailversand. Das Unternehmen wird personalisiert. Der Name Melanie Eckhardt gibt dem Betrieb ein Gesicht. Sie hat zwei Kinder, die Interesse für die Arbeit der Bürstenbinderei zeigen und bereits im Betrieb mitarbeiten.

Berufsbegleitend studierte Melanie Eckhardt Handelsmanagement. Ihre Diplomarbeit schrieb sie über Revitalisierungsmaßnahmen für den burgenländischen Markthandel. Diese Ausbildung und das erlangte Wissen haben ihr persönlich neue Welten eröffnet. Sie sieht den Betrieb nun unter einem anderen Gesichtspunkt.

Melanie ist zudem in der Interessenvertretung tätig und politisch engagiert. Sie setzt sich für den Markthandel in Österreich und ganz besonders für regionale Unternehmerinnen und Unternehmer ein. Im Jänner 2020 wurde Melanie Eckhardt von der Tageszeitung „Die Presse“ zur Unternehmerin des Jahres in der Kategorie „Besondere unternehmerische Leistung“ ausgezeichnet. 

 

4. Generation: Alexander Eckhardt (1996)

Seit Sommer 2020 arbeitet unser ältester Sohn Alexander tatkräftig im Familienbetrieb mit.

Familie Eckhardt mit Hund Lili

Erstellt von Georg Luif (www.70haus.at/bibliothek.php), adaptiert von Julia Hahnekamp, BA